DGB Jugend Nord

...die von der Küste!

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Die offizielle Ausbildungsstatistik verschweigt Tausende von Jugendlichen: Das Beispiel Hamburg

Die offizielle Ausbildungsstatistik in Hamburg verschweigt mehr als dass sie zur Erhellung der Lehrstellenmisere beiträgt. Die Diskrepanz zwischen der realistischen Zahl unversorgter Lehrstellenbewerber und derjenigen, die von der Arbeitsagentur als Bewerber anerkannt werden und überhaupt in die Statistik gelangen, beträgt mehrere Tausend Jugendliche.

Zudem gibt es eine große Zahl von Altbewerbern, und es verharren Tausende von Bewerbern in sog. Warteschleifen, die lieber heute als morgen in eine reguläre duale Ausbildung wechseln würden: Sie alle müssten ebenfalls zu den „Unversorgten" gezählt werden.

Die DGB Jugend brachte auf einer Pressekonferenz nun Licht ins Dunkle, mit dem Ergebnis:

Mindestens 5000 Jugendliche in Hamburg brauchen tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz", sagte Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg heute im Rahmen eines Hintergrundgesprächs zur Ausbildungsplatzsituation.

Für eine Stadt wie Hamburg, deren Wirtschaft boomt und die mit ihrer Metropolstellung wirbt, ist es ein Armutszeugnis, dass sie so vielen Jugendlichen keine Chance auf eine berufliche Perspektive bietet.

Im Jahr 1994/1995 waren wir auf dem damaligen Tiefpunkt der Berufsausbildungsstellen angelangt – es wurden Anstrengungen für Ausbildungs-Sonderprogramme unternommen. Was seinerzeit niemand für möglich hielt, ist heute Realität: Verglichen mit dem Jahr 94/95 sank die Zahl der Ausbildungsplätze im dualen System bis heute nochmals um 25 Prozent. Insofern ist der strukturellen Lehrstellenmisere mit einem einmaligen Sofortprogramm von 1000 Ausbildungsplätzen, wie es der Senat gerade verkündet hat, allein nicht beizukommen; die von Senator Uldall sogenannte ,Bugwelle’ der ,Altbewerber’ nicht nachhaltig abzubauen. Im Juli 06 waren 71 Prozent aller Hamburger Bewerber Jugendliche, die schon in früheren Jahren leer ausgingen!

Der herbeiappellierte Bewusstseinswandel, doch endlich in den eigenen Nachwuchs zu investieren und sich der Ausbildungsverantwortung zu stellen, habe sich bei den meisten Unternehmen leider nicht eingestellt, so Hamburgs DGB-Vorsitzender. Deshalb müsse das Problem nun mit mehr politischem Druck und über Geld gelöst werden.

„Der DGB Hamburg fordert deshalb ein Landesgesetz für eine nachfrageorientierte Kammerumlage, die ausbildende Unternehmen unterstützt und dem Ausbildungs-engagement der anderen auf die Sprünge hilft: Wer nicht ausbildet, soll in einen Umlagefonds zahlen", so Erhard Pumm. „Maßstab für diese Umlage muss die tatsächliche Zahl unversorgter Jugendlicher sein. Denn angesichts der künftig weiterhin hohen Schulabgängerzahlen – allein im Jahr 2010 verdoppelt sich die Zahl der fertigen Gymnasiasten durch das Abi nach 12 Jahren - wird sich das Ausbildungsplatz-Problem nicht von alleine lösen. Wir müssen heute handeln, damit wir in vier Jahren nicht vor einem noch größeren Ausbildungs-Desaster stehen. Wenn zwei Abi-Jahrgänge in einem Jahr auf den Ausbildungsmarkt drängen, werden bei unveränderten Bedingungen Real- und Hauptschüler sowie Jugendliche ohne Schulabschluss überhaupt keine Chance mehr haben."

 

Zahlen – Daten – Fakten

 

Im Juli 2006 gab es vier Prozent weniger gemeldete Berufsausbildungsstellen als im Vorjahr und 25,2 Prozent weniger als vor 12 Jahren, dem damaligen vorläufigen Tiefpunkt

27 419 Ratsuchende sind aktuell für Hamburg bei der BA registriert, 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr

davon wurden 7 187 Jugendliche als Bewerber von der BA anerkannt, das sind 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr

Nur noch 29 Prozent aller Hamburger Bewerber stammen aus dem aktuellen Schulabgangsjahr, • 71 Prozent sind so genannte Altbewerber

Nur rund 35 Prozent der Bewerber eines Jahres landen in der dualen Berufsausbildung

Nur rund 16 Prozent der ausbildungsberechtigten Hamburger Betriebe bilden aus

In Hamburg gibt es ca. 11 000 Ausbildungsplätze im dualen System, davon sind 8000 – 9000 Stellen bei der BA registriert

Die Zahl der Jugendlichen, die derzeit auf einen Ausbildungsplatz hoffen, setzt sich zusammen aus Bewerbern aus dem Umland, Altbewerbern, aktuellen Schulabgängern und „Rückkehrern" aus „Warteschleifen" und beträgt rund 20 000 – die BA erkennt jedoch lediglich rund 7200 als Bewerber an. Damit bleiben mindestens 5000 Jugendliche in Hamburg tatsächlich unversorgt.

Im Jahr 2005 gab es 15 166 Schulabgänger in Hamburg. Die Zahl der Schulabgänger in Hamburg wird in den nächsten Jahren stets über dem Niveau von 2005 liegen – allein im Jahr 2010 verdoppelt sich die Zahl der Abiturienten, weil dann durch das Abi nach 12 Jahren zwei Jahrgänge die Schule beenden. Durch die dann auf den Ausbildungsmarkt strömenden Abiturienten werden Haupt- und Realschüler sowie Jugendliche ohne Schulabschluss völlig chancenlos sein.

Zu den Charts der Pressekonferenz mit dem Hintergrundmaterial gehts hier.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 31. August 2006 um 13:03 Uhr