„Die derzeitige Ausbildungsmarktbilanzierung täuscht eine entspannte Lage vor, auch wenn bundesweit zehntausende Jugendliche in Warteschleifen geparkt werden. So wird die Lage für Ausbildungsplatz suchende junge Menschen geschönt.“
Während Jahr für Jahr eine gute Versorgung auf dem Ausbildungsmarkt ohne weiteren Handlungsbedarf verkündet wird, liegt in Deutschland die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss konstant hoch bei rund 1,5 Millionen Menschen. „Die Ausbildungsmarktbilanz ist längst Teil des Problems. Darstellungen, die Probleme verdrängen, helfen niemandem, außer einer Politik welche sich beruhigen lassen möchte.
Die Bundesagentur für Arbeit liefert mit ihrer Statistik dafür die nötige Schützenhilfe. Immer weniger Jugendliche werden zu Bewerbern erklärt und so wird jedes Jahr das Verhältnis von Ausbildungsplätzen zu Bewerbern immer besser. Die Ausbildungspaktpartner Bundesregierung und Wirtschaft können einen Erfolg nach dem anderen feiern, obwohl insbesondere in diesem Jahr es weniger Ausbildungsplätze gibt als im letzten Jahr.“
Die Ursache für das schöne Bild ist einfach: Das alleinige Schielen auf die Statistik der Arbeitsagentur, welche sich längst von den Realitäten jugendlicher Ausbildungsplatzsucher entfernt hat.
So finden sich in der Hamburger Statistik der Arbeitsagentur gerade mal 2.108 Bewerber aus dem aktuellen Schulabgangsjahr, bei immerhin 17.100 Schulabgängern. Das sind nur noch 12%. Niemand stellt dieses Missverhältnis in Frage, niemand fragt wo die anderen 15.000 Schulabgänger bleiben. Von Altbewerbern reden wir hier gar nicht.
Die Partner des Nationalen Ausbildungspakts (Bundesregierung und Wirtschaft) sprechen nur von 14.000 Unversorgten bundesweit. Die geschönte Ausbildungsmarktbilanzierung lässt sie immer gut da stehen. Nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sollen nur jene Jugendlichen als „unversorgt“ definiert werden, die weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative haben.
An dem unzureichenden Angebot an vollqualifizierenden Berufsausbildungs-möglichkeiten ändert das nichts. Das unzureichende Angebot an Ausbildungsplätzen muss als Hauptursache dafür benannt werden, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelang, den Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss zu senken.
Der Bilanzierungsstichtag 30. September eines Jahres muss die Lage ungeschönt auf den Punkt bringen und die Jugendlichen mit berücksichtigen, die bereits in teilqualifizierende Maßnahmen umgelenkt worden sind.
„Wir brauchen daher einen Paradigmenwechsel: Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, dürfen in der Statistik nicht als „versorgt“ gezählt werden. Junge Menschen, die in Warteschleifen „geparkt“ werden, müssen auch als unversorgte Bewerber geführt werden. Nur so lässt sich ein realistisches Bild vom Ausbildungsmarkt zeichnen.“ Mehr dazu in der Grafik.
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